Auswertung

Mit den Travellern Kontakt zu bekommen ist nicht leicht. Ihre Erfahrung mit anderen Menschen ist oft recht negativ, so dauert es lange, das Vertrauen der betroffenen Jugendlichen zu gewinnen. Aber eins der wichtigsten Dinge, die wir alle gelernt haben ist, dass die Kultur der Travellers eine Weisheit und eine Ethik hat, die die gegenwärtige materialistische Kultur in Frage stellt. Im ersten Jahr waren wir neidisch auf die Projektpartner, die es geschafft hatten vollständige Forum Aufführungen zu organisieren – für uns schien es so mühsam allein ein Treffen oder eine Teilnahme an einem Theaterworkshop zu arrangieren. Die organisierten Besuche an der Universität allerdings schienen doch Perspektiven für die Jugendlichen zu eröffnen. In Wrexham haben wir versucht sorgfältiger zu planen, um eine Abschlussaufführung zu verwirklichen – aber an dem Tag, an dem wir an der Schule ankamen, waren die Eltern und die anderen Kinder, die unser Publikum hätten sein sollen zu einem Tag am Strand aufgebrochen. Das war enttäuschend, aber dies letzte Treffen diente dann dazu, dass die Kinder zu einer selbstständigen Forum Theater Gruppe wurden, die ihre Stücke vor den anderen Kindern der Schule vorspielten. Nach sechs Treffen mit den Studenten (und weil ihr Klassenlehrer begeistert von der Idee war, Theater auch an anderen Stellen zu nutzen) waren diese Kinder schon recht gut in der Lage, selbst Forum Theaterstücke zu entwickeln und aufzuführen. Aufgrund der rechtlichen Lage in Großbritannien war es meistens unmöglich bei den Treffen zu filmen. Nur einen kleinen Teil des Abschlusstreffens in der Schule im Juni 2006 konnten wir aufnehmen. Die Studenten dokumentierten ihre eigene Arbeit in Notizbüchern, Aufsätzen und Protokollen; alle bemerkten eine Veränderung ihrer ursprünglichen Ansichten über die Travellers. Wir haben durch diese Begegnungen viel gelernt und haben viel zum Nachdenken. Die wichtigsten Momente waren bei unserem ersten Treffen in St. Annes im April 2006, als ein junges Mädchen durch die vorgeführte Forum Theaterszene erregt sagte: “Ich bin ein Traveller Mädchen und so etwas dürft ihr nicht über Traveller sagen. Das ist rassistisch.“ Ein anderes unvergessliches Erlebnis war, als ein zehnjähriger Traveller zu einem Darsteller sagte: „Wie kann man so leben, wenn man Menschen hasst? Das muss schrecklich sein. Die Welt ist groß genug für uns alle.“ Das waren die ernsten Momente, aber wir haben in diesem Projekt auch viel gelacht – besonders in Szenen, die wir später die „Kaninchen Lösung“ genannt haben, um sich einer Bedrohung zu entziehen, lässt man sich schnell auf den Boden fallen, macht Kaninchenohren und rennt weg. (Sehr nachahmenswert). Sowohl von Cheshire als auch von Flintshire sind wir gebeten worden, unsere Arbeit mit den Travellers fortzuführen. Eine vielleicht unbeabsichigte Konsequenz des Projektes war eine veränderte Wahrnehmung der Studenten darüber, was es heißt, in Europa zu sein. Für viele war das bewußte Erleben europäischer Zusammenarbeit eine echte Überraschung. Wir haben von der Teilnahme an Videokonferenzen und dem Einblick in das Minerva-Material ebenso gelernt, wie von der Herausforderung durch die Arbeit mit den Travellers.